Reserven weitgehend aufgebrauchtKrankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten

Viele Krankenhäuser haben die Hoffnung auf schwarze Zahlen bereits aufgegeben. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Krankenhausstudie. Personalabbau in der Pflege könnte die Folge sein.
Die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen sollen die Krankenkassenbeiträge stabil halten, werden die Finanznot der deutschen Krankenhäuser nach Einschätzung vieler Klinikchefs allerdings noch erheblich verschärfen. Etliche Kliniken schreiben zudem schon derzeit immer höhere Verluste, wie die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger in der neuen Ausgabe ihrer jährlichen Krankenhausstudie schreibt. Wahrscheinliche Folge sind demnach Personalabbau und verschobene Investitionen. Grundlage sind Interviews mit rund 600 Geschäftsführern und ärztlichen Direktoren.
2025 waren mit 73 Prozent demnach fast drei Viertel der Kliniken in den roten Zahlen. Das waren zwar geringfügig weniger als im Jahr davor, doch werden die Finanzlöcher immer tiefer: Bei 56 Prozent summierte sich das Defizit demnach am Jahresende auf über zehn Prozent des Umsatzes, in einigen Häusern sogar bereits auf ein Viertel. Nach Einschätzung der Unternehmensberater rutscht damit ein Großteil der Kliniken unter die Grenze der finanziellen Tragfähigkeit. Viele Kliniken haben demnach ihre Reserven weitgehend aufgebraucht. "Die Zahl der Insolvenzen wird wahrscheinlich stark steigen", schreibt Mitautor Jonas Hollacher.
Um gegenzusteuern, wollen viele Häuser demnach beim Personal sparen. Laut Umfrage planen mit 68 Prozent mehr als zwei Drittel demnach Maßnahmen beim Pflegepersonal und sogar 86 Prozent in den übrigen Abteilungen. Und gut die Hälfte der Kliniken will zudem Investitionen verschieben oder streichen.
Hoffnung auf schwarze Zahlen bereits aufgegeben
Die Lage ist so schlecht, dass laut Krankenhausstudie viele Häuser die Hoffnung auf schwarze Zahlen bereits aufgegeben haben: Denn gleichzeitig sagen 84 Prozent der befragten Klinikchefs, dass sie ihr Ergebnisziel im vergangenen Jahr erreicht hätten - sie hatten die Verluste also von vornherein eingeplant. "Die wirtschaftliche Verschlechterung wird demnach nicht mehr als überraschend erlebt, sondern bewusst einkalkuliert", heißt es in dem Papier.
Das im Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Sparpaket für das Gesundheitswesen wird die Defizite nach Einschätzung der befragten Klinikchefs weiter vergrößern. Im Schnitt rechnen sie demnach mit einem Rückgang der Einnahmen um sieben Prozent. Das "Beitragsstabilisierungsgesetz" soll weitere Beitragserhöhungen der gesetzlichen Krakenkassen verhindern. Neben den Krankenhäusern fürchtet unter anderem auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband schlechtere medizinische Versorgung als Folge des Gesetzes, auch viele Landes- und Kommunalpolitiker hatten protestiert.
Ein Ende der Malaise ist demnach nicht in Sicht, stattdessen erwarten zwei Drittel der Krankenhauschefs laut Umfrage für die nächsten Jahre eine Fortsetzung der Talfahrt mit einer weiteren Verschlechterung der Lage.
