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SachsenMediensucht: Wir sind "Wissensriesen und Handlungszwerge"

30.10.2026, 13:10 Uhr
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Bis zu 16 Stunden täglich spielte Florian Buschmann als Jugendlicher am Computer – seine Eltern bemerkten lange nicht, wie ernst die Lage war. Heute hilft er anderen aus dem Teufelskreis heraus.

Neukirch (dpa/sn) - Präventionsexperte Florian Buschmann sieht bei Mediensucht von Kindern vor allem Eltern und die Gesellschaft als Ganzes in der Pflicht. "Wir reden immer über die Probleme von Kindern und Jugendlichen. Das ist ein bisschen verdreht und macht sie zum Sündenbock. Dabei haben oft Eltern ein kritisches Verhalten im Umgang mit Medien", sagte Buschmann der Deutschen Presse-Agentur.

Der Rat des Experten: Familien sollten gemeinsam versuchen, eine ausufernde Mediennutzung zu reduzieren. Wenn nur die Kinder Restriktionen bekämen, stoße das bei ihnen auf Ablehnung, so seine Erfahrung.

16 Stunden am Computer gespielt

Buschmann weiß, wovon er spricht. "Als Jugendlicher habe ich bis zu 16 Stunden am Tag am Computer gespielt. Ich habe mich komplett in diese virtuelle Welt zurückgezogen, bin teilweise nicht mal mehr in die Schule gegangen", räumte der 25-Jährige ein. "Irgendwann habe ich selbst gemerkt: Ich bin nicht mehr ich selbst, ich bin fremdgesteuert. Ich muss etwas verändern."

"Nicht viel" von Computerspielsucht mitbekommen

Die Computerspielsucht habe mit 14 Jahren schleichend begonnen, berichtete Buschmann. Seine Eltern hätten nicht viel davon mitbekommen. "Ich habe später mit ihnen darüber geredet. Sie wussten nicht, dass es so krass war. Verhalten wird verheimlicht. Ich habe mir ja auch nicht in die Karten schauen lassen." Mit gut 16 Jahren habe er die Sucht überwinden können. Das sei auch der Punkt gewesen, andere Betroffene erreichen zu wollen. "Wo geht das am besten? In der Schule."

Initiative "Offline Helden"

Beim Psychologiestudium holte sich Buschmann die fachliche Expertise für seine Mission. Seither arbeitet er mit seiner Initiative "Offline Helden" viel an Schulen, um Kindern und Jugendlichen bei einem gesunden Medienkonsum zu helfen. In der Lessinggrundschule im ostsächsischen Neukirch entwickelte er gemeinsam mit seiner Kollegin Anne-Sophie Reißig, der Schulsozialarbeiterin Maria Kirschner sowie Lehrern, Eltern und Kindern ein Konzept für den Umgang mit Medien. Die Techniker Krankenkasse förderte das Vorhaben.

Workshop an Grundschule zeigt erste Auswirkungen

"Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir so einen starken Effekt erzielen. Es gab Kinder, die nach dem Workshop zu mir kamen und sagten "Ich spiele nur noch jeden zweiten Tag, oder nach 30 Minuten mache ich selbstständig aus"", betonte Buschmann. Ein Handyverbot an Schulen sei nur die eine Seite der Medaille. "Die Probleme finden ja nicht innerhalb der Schule statt, sondern außerhalb. Deshalb müssen wir eben Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen fit machen."

Gutes Wissen, mangelnde Umsetzung

Buschmann zufolge wird das Thema Mediensucht trotz vieler Bemühungen noch immer unterschätzt. Dabei gebe es nicht wirklich ein Erkenntnisproblem. "Wir wissen schon sehr viel darüber. In meinen Augen sind wir Wissensriesen und Handlungszwerge." Es gehe darum, das Wissen endlich umzusetzen. In Neukirch sei das auf eine gute Weise gelungen.

Quelle: dpa

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