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Niedersachsen & BremenMordprozess: Bodycam zeichnete Momente nach den Schüssen auf

03.11.2026, 16:47 Uhr
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Ein 37-Jähriger wird getötet, ein Passant lebensbedrohlich verletzt. Vor Gericht erklärt der Verteidiger, warum der Angeklagte schoss. Das Video einer Polizistin zeigt, wie dramatisch die Lage war.

Verden (dpa/lni) - Panische Sorge um den eigenen Bruder - das war nach Darstellung der Verteidigung der Grund für die tödlichen Schüsse bei einem Streit zwischen zwei Familien in Nienburg an der Weser. Dabei wurde im Mai ein 37-Jähriger getötet und ein 66-jähriger Spaziergänger lebensbedrohlich verletzt. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen. Der 32-Jährige muss sich wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Landgericht Verden verantworten.

Der Angeklagte sei davon ausgegangen, dass das Leben seines Bruders bedroht sei, sagte der Verteidiger am zweiten Prozesstag. Demnach hatte der Bruder erzählt, er werde von einem Bewaffneten verfolgt. Der 32-Jährige sei deshalb mit einer Waffe zum beschriebenen Ort gekommen. Er habe gemeint zu sehen, dass der 37-Jährige auf seinen Bruder ziele. Daher habe er direkt geschossen, sagte der Anwalt. Zwischen der Familie des Angeklagten und der Familie des Getöteten gab es laut Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen erbitterten Konflikt.

Verteidigung: Keine Rache oder Tötungsabsicht

Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der Angeklagte habe mit den Schüssen seine Ehre wieder herstellen wollen, wies der Verteidiger zurück. Der Ehrbegriff sei seinem Mandanten fremd. Demnach handelte der Mann weder aus Rache noch in Tötungsabsicht - dies wirft die Staatsanwaltschaft dem 32-Jährigen mit deutscher und syrischer Staatsbürgerschaft vor.

Den Ermittlungen zufolge kannten sich der Angeklagte und der Getötete durch einen Streit im Fitnessstudio, der Konflikt spitzte sich zu. Der Angeklagte und sein Bruder sollen von Mitgliedern der anderen Familie zusammengeschlagen worden sein. Ein Gerichtsverfahren dazu wurde nach Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Noch am selben Tag fielen die tödlichen Schüsse. Laut Staatsanwaltschaft soll der 32-Jährige über die Einstellung so erzürnt gewesen sein, dass er beschloss, Selbstjustiz zu üben.

Die tödlichen Schüsse bestreitet die Verteidigung nicht. Demnach bedauert der Angeklagte, dass er den 37-Jährigen erschossen und den Spaziergänger lebensbedrohlich verletzt hat. Der Mann ist seitdem querschnittsgelähmt. Der 32-Jährige bereue die Folgen seines Handelns und habe die Zahlung von Schmerzensgeld angeboten, so der Anwalt. Er sei zur Tatzeit in einem Ausnahmezustand gewesen.

Aufgebrachte Stimmung und Suche nach einer Waffe

Kurz vor den Schüssen kam es zu einem Gerangel zwischen Mitgliedern der beiden Familien. Nach einem Notruf trafen eine Polizistin und ein Polizist ein. Sie nahmen den Bruder des später Getöteten vorübergehend fest, weil ein Mann ihnen gesagt hatte, dieser trage eine Waffe. Der Mann habe sich gewehrt, sagte die Polizistin als Zeugin vor Gericht. Die Stimmung sei aufgebracht gewesen. Die Beamten forderten Verstärkung an. "Wir waren in der absoluten Unterzahl", so die Beamtin, die am Tatort ihre Bodycam einschaltete.

Video zeigt Geschehen am Tatort

Die Aufnahmen dieser Kamera wurden vor Gericht gezeigt. Man sieht den festgenommenen Mann, dann hört man Schüsse. Wenig später ist das blutende Opfer im Bild. "Es muss alles her, was da ist an Rettungskräften und Polizei", sagt die Polizistin. Immer wieder spricht sie den Verletzten an. "Du bist nicht alleine. Kannst du noch reden?"

Die Tat sie ihr schlimmstes Erlebnis gewesen, sagte die 25-Jährige im Gerichtssaal. "Ich bin seit vier Jahren Polizistin." Sie habe viel Schlimmes erlebt und einige Tote gesehen, berichtete sie. Aber an diesem Tag sei erstmals ein Mensch in ihren Händen gestorben. Niemand habe es verdient, auf offener Straße erschossen zu werden und ohne Chance auf Hilfe zu verbluten. Der Mann - ein Vater von drei Kindern - starb vor den Augen seiner Ehefrau.

Die Verhandlung ist in der früheren Reithalle, die für den Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette zum Gerichtssaal umgebaut wurde. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch.

Quelle: dpa

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