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HessenKI-Blitzer überführt illegale Müllentsorger

30.10.2026, 04:04 Uhr
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Illegale Müllablagerungen machten einen Sammelplatz in Bad Nauheim zunehmend zum Problem. Seit Ende August beobachtet ein KI-Blitzer den Hotspot. Was hat sich seither verändert?

Bad Nauheim (dpa/lhe) - Illegale Müllentsorgung treibt viele hessische Kommunen an ihre Grenzen. Sogenannter Wilder Müll wird regelmäßig auf Parkplätzen, in der Natur oder an öffentlichen Containerplätzen abgeladen. Auch Bad Nauheim (Wetteraukreis) hat solche Hotspots, etwa am Müllsammelplatz für Glas und Altkleider in der Schwalheimer Straße.

Dort habe sich die Lage über die Jahre so verschärft, dass "hier immer mehr Menschen illegal Dinge abgestellt, nicht mehr mitgenommen haben und es einfach unschön aussah", sagt Klaus Kreß, Bürgermeister von Bad Nauheim. Als Kurort sei die Außenwirkung der Stadt besonders wichtig. Seit Ende August setzt Bad Nauheim deshalb an diesem Standort einen "Wildmüll-Blitzer" ein.

Erste Bilanz

Nach Angaben der Stadt wurden durch das stationär angebrachte Überwachungssystem bereits fünf Fälle registriert und verfolgt. "Bisher läuft's gut", sagt Kreß. Der stationäre Blitzer an dem Hotspot habe sich mittlerweile herumgesprochen. Trotzdem sei es "kein Allheilmittel, dass jetzt hier nur noch Friede, Freude, Eierkuchen ist".

Die Idee des KI-Müllblitzers sei durch die Zusammenarbeit mit einem Gründerzentrum entstanden. "Was habt ihr denn so für Probleme im Alltag? Was nehmen die Menschen als Probleme wahr und kann die KI, kann Digitalisierung da helfen?" seien Fragen gewesen, die zwei junge Männer gestellt hätten.

Einer dieser Männer ist Benjamin Woite. Er ist Geschäftsführer der Firma Celective GmbH. Für ihn fällt die Bilanz ebenfalls positiv aus: "Wir sehen, dass sehr schnell vor allem die größeren Ablagerungen wegfallen. Die kleineren Ablagerungen, da braucht es dann ein bisschen länger." Die Bürgerinnen und Bürger müssten erst verstehen, dass auch eine Tasche mit Kleidung, die neben einen Container gestellt werde, im Endeffekt eine Ordnungswidrigkeit sei – auch wenn der Gedanke aus einem guten Anlass herauskäme.

Wie funktioniert der Wildmüll-Blitzer?

Die KI-Blitzer funktionieren in zwei Stufen. Die erste Stufe untersucht nur, ob etwas abgestellt wurde oder nicht. Wenn etwas abgestellt wurde, wird die zweite Stufe ausgelöst. "In der zweiten Stufe wird kurzzeitig eine Videosequenz aufgezeichnet", erklärt Woite. Sollte eine Meldung kommen, dass dort etwas abgestellt worden ist, werde aus diesem Kurzzeit-Videopuffer eine Sequenz herausgenommen. "Und nur diese Sequenz wird an die Behörde weitergeschickt", so Woite. Sonst habe die Behörde keine Möglichkeit, sich anderes Material anzuschauen.

Die Behörde bekommt dann zwei Bilder gegenübergestellt, ein Vorher- und ein Nachher-Bild und kann daraufhin entscheiden, ob "tatsächlich was dazugekommen ist. Also sie müssen bestätigen oder das Ganze verwerfen." Im Anschluss werde das ganze Video zur Verfügung gestellt. So könnten am Ende auch Personen erkannt werden - oder etwa das Nummernschild eines Autos, wenn der Müll damit angeliefert wurde.

Ausgelöst werde der Live-Mitschnitt nur dann, wenn etwas abgestellt wurde. Aber auch die Zeit spiele natürlich eine Rolle, "denn wir möchten ja nicht, dass jemand, der kurz seine Einkaufstasche abstellt, gleich als Verdachtsfall gilt", sagt der Geschäftsführer.

Stationär und mobil

Neben dem fest installierten Blitzer sind auch mobile Geräte im Einsatz. Sie lassen sich im Gegensatz zu den stationären Anlagen flexibel aufstellen. So könnten sich die Leute nicht darauf einstellen, welcher Standort überwacht wird und welcher nicht, beschreibt Kreß. "Das heißt, es ist nicht so berechenbar." Hinzu kommt die Kostenfrage: Feste Containerstandorte zu bewachen, koste auch Geld. Deshalb sei die Kombination aus einer festen Anlage am Hotspot und zusätzlichen mobilen Einheiten sinnvoll.

Die Stromversorgung der stationären KI-Blitzer erfolgt über die Laternen. "Das mobile Gerät arbeitet autark, das heißt, es wird über Solar versorgt, über einen großen Akku gespeist, sodass ich hier keine Laternenanbindung brauche und das Gerät eben von einem Ort zum anderen bringen kann", erklärt Woite.

Die meisten Kommunen entscheiden sich für die mobile Variante. Das liege vor allem am Datenschutz, der nicht nur eine dauerhafte Überwachung vorsehe. "Das heißt, dass die Leute nicht einen Standort meiden und anderen Standort einfach nutzen, sondern hier wird ganz klar gefordert, dass wir eben wie beim normalen Geschwindigkeitsblitzer auch einfach auch immer den Überraschungseffekt haben und an verschiedenen Orten präsent sind."

Für die Installation müsse nachgewiesen sein, dass es sich um einen Hotspot handelt und dort regelmäßig größere Ablagerungen anfallen.

Interesse an Müllblitzer groß

Auch Offenbach setzt seit September einen KI-Müllblitzer ein. Das Projekt befindet sich nach Angaben der Stadt noch in einer Erprobungsphase, daher könne eine abschließende Einordung noch nicht vorgenommen werden.

Die Nachfrage nach dem Überwachungssystem sei groß, so Woite. 50 Kommunen in Hessen hätten bei der Firma Celective ihr Interesse bekundet.

Auf die Frage, was er anderen Kommunen raten würde, sagt Bad Nauheims Bürgermeister Kreß: "KI als Chance erkennen, KI nutzen, da wo es Sinn macht".

Quelle: dpa

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