Hamburg & Schleswig-HolsteinSt. Marien in Lübeck mindestens ein Jahr lang geschlossen

Sie gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Backsteingotik und war Vorbild für viele andere Kirchen. Nun wird die Lübecker Marienkirche umfangreich saniert - und bekommt eine Fußbodenheizung.
Lübeck (dpa/lno) - Ein Lübecker Wahrzeichen wird zur Großbaustelle: Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten wird Lübecks größte Kirche St. Marien von Montag (2. November) an für mindestens ein Jahr lang geschlossen bleiben. Das teilte Pastor Robert Pfeifer mit.
Zuvor werden noch der Reformationstag und ein Sonntagsgottesdienst in St. Marien gefeiert. "Wer St. Marien noch einmal in der heutigen Form erleben möchte, sollte die Zeit nutzen, denn so wie jetzt wird unsere Kirche nie wieder aussehen", erklärte Pfeifer. Für die Sanierung würden rund 29 Millionen Euro investiert.
20 Meter hohe Staubschutzwand wird errichtet
Bereits die Einrichtung der Baustelle werde unübersehbar sein. An der Westseite entstehen Containerflächen und Absperrungen. Im Inneren werden zunächst bewegliche Kunstgegenstände fachgerecht eingelagert, andere geschützt und eingehaust. Eine der auffälligsten Veränderungen wird eine rund 20 Meter hohe Staubschutzwand zur Südervorhalle sein.
Ganz verschwinden soll die Baustelle dahinter allerdings nicht - die Wand wird Fenster bekommen. "Der Eingangsbereich soll weiter zugänglich sein, damit interessierte Bürgerinnen und Bürger einen Blick auf die Bauarbeiten werfen können", sagte Pfeifer. Die Sanierung einer der bedeutendsten Lübecker Kirchen solle damit zumindest in Ausschnitten sichtbar und nachvollziehbar bleiben.
Archäologen rechnen mit spannenden Funden
Nach der Übergabe des Zuwendungsbescheids des Bundes können nun zwei große Bauabschnitte parallel angegangen werden. In den Turmkapellen beginnt die Sanierung der Raumschale. Danach folgen Arbeiten im Mittel- und in den Seitenschiffen, in der Südervorhalle, der Totentanzkapelle und den Chorkapellen.
Die markanteste Veränderung werde der Rückbau des Hochchors sein, erklärte der Pastor. Dieser Bereich soll künftig wieder auf dem historischen Höhenniveau liegen. Hier rechnen die Verantwortlichen mit spannenden Funden. Das Team der Archäologie der Hansestadt Lübeck wird ebenfalls vor Ort sein - so wie in den vergangenen Monaten schon. "Wir haben ein großartiges Miteinander, die Zusammenarbeit macht richtig Spaß", sagte Pfeifer.
Ziegelsteine im Boden werden aufgenommen
"Wir arbeiten uns abschnittsweise durch einen großen und hochkomplexen Kirchenraum", erklärte Christine Johannsen, Architektin in St. Marien. Dabei gehe es nicht allein darum, Schäden an der Bausubstanz zu beheben. Man greife stellenweise tief in die technische Infrastruktur ein. Bei dem historischen Bauwerk müsse jeder Schritt sorgfältig geplant und begleitet werden.
Im zweiten Bauabschnitt wird der Fußboden der Kirche aufgenommen. Zunächst bergen die Mitarbeitenden der Kirchenbauhütte die historischen Ziegelsteine. Sie sollen gesichert und später wiederverwendet werden. Anschließend entfernt ein Abbruchunternehmen den darunterliegenden Bodenaufbau.
Damit wird Platz für eine grundlegende technische Neuerung geschaffen: St. Marien erhält eine wassergeführte Fußbodenheizung. Die benötigte Wärme soll künftig aus erneuerbaren Energien stammen.
Nach Wiedereröffnung dauern die Bauarbeiten an
Für die Gemeinde beginnt mit der Schließung eine Übergangszeit. Ab November sollen die Sonntagsgottesdienste sowie die zu Weihnachten zunächst in der Briefkapelle stattfinden. Dort stehen nur 70 Plätze zur Verfügung. Von Januar bis März 2027 weicht die Mariengemeinde nach St. Jakobi aus. Dort sind jeweils sonnabends um 17.00 Uhr Gottesdienste vorgesehen.
Etwa ein Jahr nach Beginn der Arbeiten soll St. Marien nach derzeitiger Planung in Teilen wieder zugänglich werden. Bis die letzte Baustelle verschwunden ist, wird es aber deutlich länger dauern. Johannsen rechnet damit, dass die Sanierung des Innenraums bis Ende 2030, vielleicht aber auch erst im Jahr 2031 abgeschlossen wird.