Hersteller rudert zurückJapanische Kultfigur Hello Kitty löst in China Eklat aus

Hello-Kitty-Plüschfiguren schlüpfen für eine Produktreihe in die Gestalt von japanischen Geheimagenten. Es kommt zum politischen Streit mit China. Der Hersteller rudert zurück.
Mit einer Produktreihe hat der Hello-Kitty-Hersteller Sanrio in China für Empörung gesorgt. Die Kultfiguren kamen im Rahmen einer Kooperation mit der japanischen TV-Serie Vivant in Kostümen der Charaktere auf den Markt. Die Serie wird in der Volksrepublik aufgrund der Darstellung von Chinesen heftig kritisiert. Chinesische Staatsmedien warfen Sanrio daher "bewusste Verleumdung" vor.
Die Serie des Fernsehsenders TBS handelt von dem Geschäftsmann Yusuke Nogi, der in ein internationales Netz aus Kriminalität und Spionage verwickelt ist. In der zweiten Staffel, die im Juli erschien, spielen auch chinesische Geheimagenten eine Rolle. Sie nehmen japanische Spione gefangen und foltern sie auf brutale Weise. In einer Episode ist etwa zu sehen, wie einem Gefangenen Finger abgeschnitten werden und ihm in den Bauch gestochen wird.
Zwar stehen die Plüschtiere in Gestalt der Seriencharaktere nicht in direktem Zusammenhang mit diesen Szenen. China wirft dem Hersteller Sanrio jedoch vor, durch den Verkauf der Produkte antichinesische Inhalte zu unterstützen.
Hersteller Sanrio entschuldigt sich
Infolge des steigenden Drucks verkündete Sanrio am Mittwochabend das Ende der Kooperation und entschuldigte sich. Die Serie Vivant enthalte Elemente, die mit der Unternehmensphilosophie nicht vereinbar seien, heißt es in einer Erklärung auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo. Stattdessen sei es stets Ziel gewesen, die "Harmonie unter allen Menschen" zu fördern.
Hinter dem Rückzug dürften auch wirtschaftliche Interessen stehen. China gehört zu den wichtigsten Auslandsmärkten des Unternehmens. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erzielte Sanrio in der Volksrepublik im ersten Quartal einen Umsatz von 9,8 Milliarden Yen (62 Millionen US-Dollar). Das entspreche einem Plus von fast 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
TBS hingegen wies die Vorwürfe zurück und verteidigte seine Serie. Vivant sei vollständig erfunden und hätte nicht die Absicht, ein "bestimmtes Land herabzuwürdigen", betonte Masamine Ryuho, Präsident des Senders.
Beziehungen zwischen Japan und China angespannt
Laut der staatsnahen chinesischen Zeitung "Global Times" weisen einige der Foltermethoden in der Serie Ähnlichkeit mit dem Vorgehen von japanischen Truppen gegen chinesische Zivilisten während des Zweiten Weltkrieges auf. Der Vorwurf: Die Serie verdrehe die Wahrheit.
Die Beziehungen zwischen China und Japan sind ohnehin angespannt. Im November vergangenen Jahres antwortete die japanische Premierministerin Sanae Takaichi im Parlament auf eine Frage, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan eine militärische Reaktion Japans nach sich ziehen könnte. Die Äußerung löste einen diplomatischen Streit aus.
Der Hello-Kitty-Eklat passt also zur Gesamtsituation - und zeigt, wie sensibel Peking auf Herabwürdigungen reagiert. Erst vor wenigen Tagen hatte der französische Fußballstar Kylian Mbappé den chinesischen Zorn auf sich gezogen, indem er den früheren Revolutionsführer Mao Zedong als Diktator bezeichnete.
Dieser Text erschien zuerst bei stern.de. Der stern ist wie ntv Teil von RTL Deutschland.