Falsche Waage und kuriose Regeln

Nur die Finnen konnten den MMA-"King Kong" austricksen

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Martin Zawada kommt auf 49 Profikämpfe, 29 davon konnte er gewinnen. (Foto: Oktagon MMA)
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31.10.2026 | 09:52 Uhr
In Deutschland sind MMA-Veranstaltungen Anfang der 2000er Jahre rar gesät, deshalb kämpft Martin Zawada regelmäßig im Ausland. Besonders Finnland prägt seine Karriere: Dort trifft der Düsseldorfer auf starke Gegner, fragwürdige Regeln und Veranstalter mit zweifelhaften Methoden.

Martin Zawada zählt zu den Veteranen des MMA-Sports in Deutschland. Der heute 43-jährige Düsseldorfer kämpfte sich zu Beginn seiner Karriere durch halb Europa und entwickelte eine gewisse Hassliebe zu Finnland. Mit den Regeln nahm man es in dem skandinavischen Land nicht allzu genau - ganz zum Leidwesen des deutsch-polnischen "King Kong".

Den ungewöhnlichen Spitznamen hatte sich Zawada aber nicht selbst verpasst, sondern sein Trainer. "Nachdem wir im Kino den Film 'King Kong' gesehen hatten, in dem der Riesengorilla stirbt, weil er sich in eine Frau verliebt hat und sie verteidigen wollte, sagte mein Trainer zu mir: Du bist stark, aber zu nett. Wie King Kong", erzählt Zawada. Angefangen mit Kampfsport hat Zawada übrigens, weil er als Jugendlicher gemobbt wurde.

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Anfang der 2000er Jahre waren MMA-Veranstaltungen in Deutschland rar gesät, sodass aktive Kämpfer immer wieder im Ausland antreten mussten. Die in Finnland ansässige Organisation Fight Festival veranstaltete regelmäßig drei bis vier Events im Jahr, die immer gut organisiert waren, das finnische Publikum war MMA-interessiert und fair. Was Teams und Veranstalter anging, wurde laut Zawada aber an allen Ecken und Enden getrickst. Im März 2007 stand für ihn ein Kampf in Helsinki gegen Magomedbag Agaev an. Die Waage war Freitagfrüh, Zawada hatte allerdings noch Berufsschule.

"Da musste ich hin. Ich flog dann erst nachmittags nach Finnland und wurde um 21 Uhr nachgewogen. Mein Trainer war nicht dabei, der von Agaev aber schon." 83 Kilogramm zeigte die Waage an. Agaevs Trainer habe überrascht getan und gefragt: 'Du kämpfst aber Halbschwergewicht - auf 93 Kilogramm -, das weißt du?!' Die Waage könne nicht stimmen, antwortete Zawada, er habe am Morgen noch 91,3 Kilogramm gewogen. Für Zawada war erst später klar, dass hier etwas nicht stimmte: "Agaev kam aus dem Schwergewicht. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass sie die Waage runtergedreht hatten. Es war also klar, dass er viel schwerer sein würde als ich", sagt Zawada. "Das hat man spätestens dann gesehen, als Agaev in den Ring gestiegen ist."

Der Russe rang Zawada in der ersten Runde zu Boden und bearbeitete ihn mit Schlägen aus der Oberlage. "Ich bin aber wieder hochgekommen und beim nächsten Takedownversuch konnte ich ihn stoppen - mit einem linken Haken und einer rechten Geraden. Er ist richtig schwer k. o. gegangen. Das Publikum hat mich gefeiert. Alle hatten gedacht: Der kleine Mann kriegt Schläge." Nach dem Kampf konnten sich die Kontrahenten wegen der Sprachbarriere nicht unterhalten, aber was Agaev im Anschluss beim kurzen Austausch meinte, war auch so klar: "Erst hat er auf mich gezeigt, dann auf sich, dann den Finger wie eine Pistole an die Schläfe gehalten - und abgedrückt."

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Verlief das Duell mit Agaev in Helsinki noch erfolgreich, so wurde Zawada in der finnischen Hauptstadt im Laufe seiner Karriere mehrfach um den Sieg betrogen. "Im September 2007 sollte ich gegen Toni Valtonen antreten. Mein Gegner hat mit Rashguard - also einem Funktionsshirt aus Synthetik - gekämpft. 'Ist erlaubt', hieß es damals", so Zawada. "Das Problem: Valtonen war ein Ringer. Er hat mich einfach nur festgehalten und ich konnte wegen des Rashguard nicht raus." Durch den Stoff am Körper traf nicht, wie sonst gewohnt, Haut auf Haut.

Wenn Schweiß und Blut fließen, sind Griffe in der Regel schwieriger zu halten, der Rashguard gab Valtonen den nötigen Halt: "Er war nach zwei Runden Festhalten aber so kaputt, der konnte nicht mehr. Die haben den Kampf dann einfach abgebrochen. Mir wurde gesagt, es sei nur ein Zwei-Runden-Kampf gewesen. Ich war bereit für die dritte Runde, aber habe nach Punkten verloren." Zawadas Fazit fällt entsprechend bitter aus: "Die Finnen machen ihre eigenen Regeln!"

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Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "MMA - Wie der härteste Sport der Welt Deutschland erobert". Das Buch erscheint am 4. November bei Edel Sports. Autor Michael Bauer ist Redakteur bei ntv.de und einer der führenden MMA-Experten Deutschlands.

Verwendete Quelle: ntv.de